Die Zukunft der freien Berufe im Zeitalter der Generation Y und neuen Medien

Auf dem diesjährigen Hauptstadtkongress Medizin und Gesundheit im futuristisch anmutenden CityCube in Berlin wurde über „Die Zukunft der freien Berufe“, „Die Freiberuflichkeit in Zeiten der Generation Y“ und „Social Media ‚likes’ Healthcare – wie soziale Medien die Gesundheitswirtschaft nachhaltig verändern“ diskutiert.

Der sozio-kulturelle Wandel der freien Berufe

Die Vortragsveranstaltungen verliefen getrennt voneinander, doch ihre Quintessenz verbindet sie: Es zeichnet sich ein Kulturwandel in den freien Berufen ab. Und dieser ist maßgeblich geprägt durch den Einfluss der „neuen Medien“ auf die Berufsausübung und das moderne Berufsverständnis der „Generation Y“. Es handelt sich hierbei um gesamtgesellschaftliche sozio-kulturelle Entwicklungen, die auf den Bereich der freien Berufe einen besonderen Einfluss haben. Der Wandlungsprozess ist nicht durch nationale Grenzen beschränkt, sondern vollzieht sich überstaatlich, international: Das Internet, die neuen, insbesondere sozialen Medien kennen keine Ländergrenzen und das Bewusstsein der Generation Y ist nicht mit einer bestimmten Nationalität verbunden.

Die freien Berufe

Eine allgemeine Definition des freien Berufes exisitiert nicht – und wäre schlechterdings ein Widerspruch in sich. Wesensmerkmale lassen sich indes ausmachen. So umschreibt der Europäische Gerichtshof „freie Berufe“ als „Tätigkeiten, die u. a. ausgesprochen intellektuellen Charakter haben, eine hohe Qualifikation verlangen und gewöhnlich einer genauen und strengen berufsständischen Regelung unterliegen. Hinzu kommt, dass bei der Ausübung einer solchen Tätigkeit das persönliche Element besondere Bedeutung hat und diese Ausübung auf jeden Fall eine große Selbständigkeit bei der Vornahme der beruflichen Handlungen voraussetzt“ (EuGH, Urteil v. 11.10.2001 – C -267/99 – Adam, Rn. 39).

Die gesellschaftliche Bedeutung der freien Berufe

Freie Berufe sind „Vertrauensberufe“. Das Vertrauensverhältnis, wie etwa zwischen Patient und Arzt oder Mandant und Rechtsanwalt, bildet das Fundament der freiberuflichen Tätigkeit. Darüber hinaus – und damit verbunden – sind die freien Berufe in besonderer Weise vom Vertrauen der Gesellschaft abhängig. Das Pendant hierzu ist die Gemeinwohlbindung der freien Berufe. Nicht das eigene, persönliche Gewinnstreben soll im Vordergrund stehen, sondern die Tätigkeit zum Wohle der Allgemeinheit: der Arzt dient dem Schutz des Patienten und zugleich der Sicherung und Förderung der Gesundheit der Bevölkerung, der Rechtsanwalt dient dem Schutz der Rechte seines Mandanten und zugleich der Wahrung der Rechtsordnung und des Rechtsstaates.

Die freien Berufe und die neuen (sozialen) Medien

Es ist die enge Symbiose zwischen den freien Berufen und der Gesellschaft, die den sozio-kulturellen Wandel durch die neuen, insbesondere sozialen Medien, der die gesamte Gesellschaft betrifft, in besonderem Maße auch auf die freien Berufe wirken lässt. Freiberufler sind Teil der Gesellschaft, dienen ihr und jedem Einzelnen und sind von dem Vertrauen abhängig, das ihnen gewährt wird. Aus diesem Grunde besteht für die freien Berufe die Obliegenheit, über ihre soziale Rolle stets zu reflektieren und diese soweit erforderlich und möglich den gesellschaftlichen Entwicklungen anzupassen. Aktuell stellt sich zuvörderst die Frage, inwieweit die neuen (sozialen) Medien in die Berufsausübung einbezogen werden können. Denn freilich bestehen auch Grenzen (siehe „Social Medi(c)a(l) Care„). Sie werden im Wesentlichen definiert durch die Ethik der freien Berufe, durch unumstößliche Prinzipien der Berufsausübung. So muss stets das Vertrauensverhältnis zu den Personen, denen gegenüber freiberufliche Dienstleistungen erbracht werden, erhalten und geschützt werden: Patienten- und Mandantenrechte müssen unbedingt gewahrt werden; der Datenschutz markiert die Grenze von Internet- und EDV-Nutzung, das Arzt- und Anwaltsgeheimnis markiert die Grenze der Nutzung von Internetforen und sozialen Plattformen.

Die Generation Y der freien Berufe

Die künftigen Freiberufler gehören der sogenannten „Generation Y“ an. Es sind die in den 80er- und 90er-Jahren Geborenen, die eine neue Generation von Berufstätigen bilden. Sie werden zumeist als Arbeitnehmer definiert, die besonderen Wert auf eine angemessene Work-Life-Balance legen, bei denen Teamarbeit vor Hierarchie geht und Kollegialität vor Bürokratie, für die ihr Beruf Berufung sein soll, dessen Wert mehr in persönlicher Entfaltung gesehen wird, als in finanzieller Vergütung. Diese Mentalität betrifft indes nicht nur Arbeitnehmer, sondern vielmehr auch freiberuflich Tätige. Der Freiberufler arbeitet selbständig oder im Team und ist dabei stets mit der seiner Freiberuflichkeit eigenen Unabhängigkeit ausgestattet, auch innerhalb einer hierarchischen Organisationsstruktur. Die Freiberuflichkeit eröffnet berufliche und persönliche Freiheit. Über die Balance zwischen Beruf und Privatleben kann in hohem Maße selbst bestimmt werden. Damit entspricht die Freiberuflichkeit in besonderer Weise der Mentalität der Generation Y.

Die neuen Medien als Instrumente freiberuflicher Tätigkeit der Generation Y

Die neuen Medien sind geeignete Instrumente, das Berufsleben der freiberuflich tätigen Generation Y neu zu gestalten und einen kulturellen Wandel in der Arbeitswelt herbeizuführen: So wird das Home Office nicht mehr als unkontrollierbare Tätigkeit außerhalb der Reichweite einer Büroobrigkeit missverstanden werden, sondern als flexibler Arbeitsraum, der einer offenen Kommunikation nicht entgegensteht und Arbeitsprozesse effizienter und effektiver gestalten kann; Patienten- oder auch Mandantenberatung wird in gewissem Umfang unabhängig vom Aufenthaltsort online stattfinden können – was den persönlichen Kontakt freilich nie in Gänze wird ersetzen können; Unternehmenskultur wird sich nicht mehr in verdächtiger Verschlossenheit äußern, sondern in vertrauenschaffender Transparenz.

Das Bild der freien Berufe wird in der Zukunft geprägt werden von der Generation Y, der die Freiberuflichkeit die Chance zur Realisierung ihrer Ideale bietet und die Einleitung eines sozio-kulturellen Wandels in der Arbeitswelt ermöglicht, hin zu mehr Kollegialität, Individualität und Internationalität, hin zu einer Arbeitsmentalität, die den sozialen Wert der Tätigkeit selbst in den Vordergrund rückt und hin zu einem Verständnis des Berufes als Berufung, als persönlich erfüllende Tätigkeit zum Nutzen anderer und der Gemeinschaft und hin zu einer angemessenen Balance zwischen beruflicher und privater Entfaltung.  

RA Dr. Martin Delhey, Berlin.

Eine Antwort

  1. Vielen Dank für diesen fulminanten Beitrag zum Hauptstadtkongress 2014. Der #HSK14 war in diesem Jahr etwas ganz Besonderes. Und nur Blog und neue Medien schaffen dass, was Martin (der Autor) hier beschreibt. Soziale Medien schaffen Verbindung, genau wie es dieser Blog schafft, gleich drei Panel aus dem Programm des Hauptstadtkongress zu verbinden.

    Das ist es doch, was da draußen alle verrückt macht. Die Verunsicherung, das selbst verschuldete Informationen positiv wie negativ eine nicht mehr zu kontrollierende Wirkung erfahren. Das macht etwas mit uns, das wir (noch) nicht konkret vorhersagen können.

    Vielleicht ist dieser Abend für Sie/Euch interessant, um die Thesen des Artikels einfließen zu lassen.
    https://www.xing.com/events/berufe-zukunft-gesundheitswirtschaft-1422894

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